Narzissmus als gesellschaftliches Phänomen - eine Notiz
Salzburg [ENA] Narzisstische Politiker verwechseln oft Amt und Person, fälschen Fakten, während ihr Selbstbewusstsein kaum Reflexion und Nachdenklichkeit zulässt. Sie versprechen ihren Unterstützern die Zurückgewinnung einer grandiosen Vergangenheit, die es freilich so nie gab. Bei Kritik reagieren sie gekränkt und zornig. Gefahr droht, wenn Narzissten nicht kontrolliert werden: Sie können das, was sie groß gemacht hat, zerstören.
Gewiss, eine aktuelle Erfindung ist Narziss nicht. Schon im antiken Griechenland ist von einem Jüngling die Rede, der, sein Spiegelbild im Wasser betrachtend, sich in dieses verliebte. Einem Fluch zufolge konnte er das Objekt seiner Liebe aber nie erreichen… Indes scheinen in der heutigen Wettbewerbsgesellschaft „Qualitäten“ eines Narzissten sehr gefragt zu sein: Wer sich medial gut zu inszenieren vermag, wer laut und schrill Werbung in eigener Sache betreibt und damit die Konkurrenz aussticht, ist in der Politik und am Arbeitsmarkt gut aufgestellt.
Der Selbstverliebte bedient sich oft eines Kults der Handlung um der Handlung willen und gibt damit vor, dass seine Aktivität, die ja nur der Selbstoptimierung dient, an sich schon einen Wert darstellt. Vernunftgeleitete Überlegungen oder eine detaillierte, feinsinnige Diskussion über das Gesagte bzw. die Tat lehnt er als unnütze Zeitverschwendung ab – schließlich braucht seine Meinung keinen kritischen bzw. differenzierten Diskurs.
Mitunter huldigt er einer vergangenen Epoche, in der alles besser gewesen zu sein scheint. Diese Gewissheit wird mystifiziert und als Narrativ mittels Mythen, Riten und Symbolen weitergetragen. Oft genug entstammen die eigenen Vorschläge diesem Denken, wobei dieses Wissen seiner Meinung nach anderen Ansichten weit überlegen ist. Die mit banalen Slogans, billigen Witzen und vielleicht sogar ausfälligen Beleidigungen gegenüber Mitbewerbern bereicherten Reden kommen bei seinen Anhängern oder den Konsumenten gut an. Anspruchsvolle und tiefsinnige Ausdrucksmöglichkeiten der Sprache würden möglicherweise ja ohnehin kaum verstanden werden.
Manche Narzissten besitzen überdies erhebliche schauspielerische Begabungen. Sie lächeln, auch nachdem sie einer Unwahrheit überführt worden sind, selbstherrlich und routiniert alles weg. Mit einem hohen Maß an Arroganz und einer verblüffenden Unschuldsmiene sprechen sie von Fehlurteil, Justizirrtum bzw. Schuld anderer. Bemerkenswert ist, dass ein Narzisst gerne auf das „gesunde Volksempfinden“ verweist, wobei das Volk – gemeint sind seine Bewunderer und freiwillig Unterworfene – seiner Ansicht nach die Instanz ist, die von der Reinheit seines Gewissens respektive seiner Genialität überzeugt ist.
Während sich kluge, besonnene und empathische Zeitgenossen gerne zurücknehmen und oft genug unsicher und selbstkritisch wirken, drängen narzisstische Menschen mit Vehemenz nach Anerkennung, Applaus – und politisch einflussreichen Positionen. Nicht umsonst hat schon Erich Fromm den Narzissmus als „Berufskrankheit“ von Führungskräften bezeichnet. Tummeln sich (zu) viele selbstverliebte Egozentriker auf der politischen Bühne, wäre es unerlässlich, dass eine Gesellschaft Zivilcourage und demokratische Reife zeigt!




















































